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Marius Rieg.

Experience Design

"Experience Design: Warum Räume die besseren Interfaces sind"

Von Marius Rieg · · 1 Min. Lesezeit

Zusammenfassung: Screens kämpfen um Sekunden Aufmerksamkeit, Räume bekommen Minuten. Experience Design nutzt das - mit Installationen, die Körperbewegung statt Klicks als Eingabe verstehen. Die Regeln - sofort verständlich, sozial ansteckend, technisch unsichtbar.

Der durchschnittliche Blick auf ein Werbeplakat dauert unter zwei Sekunden. Die durchschnittliche Verweildauer an einer gelungenen interaktiven Installation liegt bei mehreren Minuten. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt das Argument für Experience Design.

Was Experience Design ist

Experience Design gestaltet Erlebnisse statt Oberflächen. Im engeren Sinn, in dem wir es bei Luftschloss betreiben: interaktive Installationen im physischen Raum – Medienfassaden, begehbare Markenräume, Messeinstallationen, Schaufenster, die reagieren. Die Werkzeuge dafür sind KI, CGI, Echtzeit-Rendering, LED-Technik und Sensorik. Das Material ist menschliche Neugier.

Warum der Raum dem Screen überlegen ist

  • Aufmerksamkeit ist da, nicht erkämpft: Wer vor einer Installation steht, hat sich bereits entschieden hinzusehen. Auf dem Smartphone konkurriert jede Botschaft mit allem anderen.
  • Der Körper ist das Interface: Gesten, Bewegung, Position im Raum – Interaktion ohne Lernkurve, weil jeder Mensch sie beherrscht.
  • Erlebnisse sind sozial: Menschen zeigen einander, was sie entdeckt haben. Eine gute Installation bespielt nie nur die Person davor, sondern auch die zwanzig dahinter.
  • Erinnerung entsteht körperlich: Was man getan hat, bleibt länger als das, was man gesehen hat.

Drei Prinzipien für Installationen, die funktionieren

Aus unseren Projekten – vom immersiven Schaufenster in der Pforzheimer Innenstadt bis zur Medienfassade PZ Nova – haben sich drei Regeln destilliert:

  1. Drei-Sekunden-Regel: Was die Installation kann, muss ohne Erklärung erkennbar sein. Im öffentlichen Raum liest niemand Anleitungen.
  2. Belohnung vor Botschaft: Erst das Erfolgserlebnis, dann die Marke. Wer zuerst sendet, verliert den Spieler.
  3. Technik unsichtbar machen: Sensorik, Kameras, Rechenleistung – alles verschwindet hinter dem Erlebnis. Sichtbare Technik erzeugt Distanz, unsichtbare Technik erzeugt Magie.

Fazit

Experience Design ist kein Gimmick für Messen, sondern die Antwort auf ein strukturelles Problem: Digitale Kanäle sind überfüllt, physische Räume sind es nicht. Marken, die Räume als Interfaces begreifen, kommunizieren dort, wo Aufmerksamkeit noch echt ist.

Über den Autor: Marius Rieg ist Unternehmer aus Karlsruhe, Mitgründer der Agentur Luftschloss und geschäftsführender Gesellschafter von Gieske Studios. Mehr über Marius Rieg