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Marius Rieg.

Behind the Scenes

"Behind the Scenes: Wie eine interaktive Medienfassade entsteht"

Von Marius Rieg · · 2 Min. Lesezeit

Zusammenfassung: Eine Medienfassade wie PZ Nova ist zu 20 Prozent Technik und zu 80 Prozent Dramaturgie. Entscheidend sind robuste Sensorik im öffentlichen Raum, Inhalte, die sich in drei Sekunden erklären, und ein Betriebskonzept, das die Wand jeden Tag frisch hält.

Mitten in Pforzheim steht seit 2025 eine Wand, die zurückschaut: PZ Nova, die interaktive Medienfassade der Pforzheimer Zeitung. Wer auf den Sensorstein davor tritt, steuert mit Gesten, was auf der großen LED-Fläche passiert – vom Face-Swap über den Zeitungsavatar bis zum Neujahrs-Countdown. 2026 wurde das Projekt mit dem German Customer Award ausgezeichnet. Dieser Artikel zeigt, wie so etwas entsteht.

Die Idee: Journalismus wird begehbar

Ausgangspunkt war eine Frage der Pforzheimer Zeitung: Wie wird eine Zeitung im Stadtbild wieder erlebbar? Unsere Antwort: nicht mit einem Bildschirm, der sendet, sondern mit einer Fläche, die reagiert. Der Unterschied klingt klein, ändert aber alles – aus Passanten werden Mitspieler.

Die Technik: robust vor allem anderen

Im Studio funktioniert fast jede Technik. Im öffentlichen Raum gelten andere Regeln:

  • Sensorik: Eine Kamera erfasst Personen auf dem Sensorstein; Gesten- und Bewegungserkennung übersetzen Körperbewegung in Steuerung. Alles muss bei Regen, Gegenlicht und Menschentrauben funktionieren.
  • Echtzeit-Rendering: Die Inhalte werden live gerendert, nicht abgespielt – nur so fühlt sich Interaktion unmittelbar an.
  • Dauerbetrieb: Eine Fassade kennt keinen Feierabend. Monitoring, Remote-Updates und Ausfallsicherheit sind Teil des Designs, nicht Nachgedanke.

Die eigentliche Arbeit: Dramaturgie

Die härteste Designfrage war nicht technisch: Was zeigt die Wand um 8:12 Uhr an einem Dienstag? Interaktive Installationen leben von Inhalten, die sich in drei Sekunden erklären und nach dreißig Sekunden ein Erfolgserlebnis geben. Deshalb ist PZ Nova als App-Plattform gebaut: Wetter erleben, Zitat des Tages, saisonale Specials wie Halloween oder der Silvester-Countdown. Neue Apps halten die Fassade frisch – wie eine Zeitung eben.

Was wir gelernt haben

Erstens: Der öffentliche Raum verzeiht keine Bedienungsanleitungen. Zweitens: Menschen interagieren, wenn andere Menschen interagieren – die beste Werbung für die Wand ist jemand, der davor steht und lacht. Drittens: Eine Installation ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Produkt mit Betrieb.

Fazit

PZ Nova zeigt, was passiert, wenn Journalismus, Technik und Stadtleben zusammenkommen: Kommunikation, die man betreten kann. Für uns bei Luftschloss ist es das Referenzprojekt dafür, dass interaktive Erlebnisse im öffentlichen Raum funktionieren – technisch, inhaltlich und wirtschaftlich.

Über den Autor: Marius Rieg ist Unternehmer aus Karlsruhe, Mitgründer der Agentur Luftschloss und geschäftsführender Gesellschafter von Gieske Studios. Mehr über Marius Rieg