Zusammenfassung: CGI lohnt sich bei vielen Varianten, nicht lieferbaren Produkten und wiederkehrenden Katalogproduktionen. Fotografie bleibt stärker bei Emotion, Menschen und Unikaten. In der Praxis kombinieren professionelle Produktionen beide Techniken.
Eine der häufigsten Fragen von Marketingverantwortlichen: Sollen wir unsere Produkte fotografieren oder rendern? Nach über fünfzehn Jahren in der Bildproduktion – erst als Werbefotograf, heute als Geschäftsführer eines Studios, das beides anbietet – ist meine Antwort: Es ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Welche Aufgabe soll das Bild erfüllen?
Was ist CGI in der Bildproduktion?
CGI (Computer Generated Imagery) bezeichnet fotorealistische Bilder, die vollständig am Computer entstehen. Aus CAD-Daten oder 3D-Modellen wird eine Szene aufgebaut, mit digitalem Licht ausgeleuchtet und gerendert. Das Ergebnis ist von einer Fotografie im besten Fall nicht zu unterscheiden.
Wann CGI überlegen ist
- Viele Varianten: Eine Küche in zwölf Frontfarben und drei Arbeitsplatten? Im Studio zwölf Aufbauten – im CGI ein Klick.
- Das Produkt existiert noch nicht: Kataloge entstehen oft vor der Serienfertigung. CGI macht Produkte sichtbar, bevor es sie gibt.
- Konsistenz über Jahre: Dieselbe Szene lässt sich Jahr für Jahr mit neuen Produkten bestücken – gleiches Licht, gleiche Perspektive, gleiche Bildsprache.
- Logistik: Kein Transport, kein Aufbau, keine Beschädigung. Bei großen oder schweren Produkten ein enormer Kostenfaktor.
Wann Fotografie überlegen ist
- Menschen und Emotion: Sobald Hände, Gesichter und echte Nutzung ins Spiel kommen, ist Fotografie schneller und glaubwürdiger.
- Unikate und Oberflächen mit Charakter: Naturmaterialien, Patina, handwerkliche Details – der Aufwand, sie digital nachzubauen, übersteigt oft den Nutzen.
- Einmalige Motive: Für ein einzelnes Bild ohne Variantenbedarf ist der Modellierungsaufwand von CGI selten gerechtfertigt.
Die Praxis: Hybrid
Die meisten unserer Produktionen sind heute hybrid. Fotografierte Sets werden mit gerenderten Produkten bestückt, CGI-Szenen mit fotografierten Requisiten angereichert, und generative KI beschleunigt Varianten und Retusche. Der Betrachter sieht den Unterschied nicht – und genau das ist der Anspruch.
Fazit
CGI und Fotografie sind keine Konkurrenten, sondern Werkzeuge mit unterschiedlichen Stärken. Die Entscheidung sollte nicht ideologisch fallen, sondern anhand von Variantenbedarf, Produktverfügbarkeit, Emotionalität und Budget. Ein gutes Studio berät technikoffen – und beherrscht beides.